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Interview

Wieso away from home?

Journalistin Christin Schmidt aus Rathenow befragte Birte Hoffmann und Gabriele Konsor per Mail zu den Motiven für landmade.India:

1. Februar 2015

Aloah Indian Landmaids,
ich hoffe ihr hattet ein erfolgreiches Wochenende und seid ordentlich inspiriert. Habe gerade wieder einen Blick auf euren Blog geworfen - ihr malt und schießt ja fleißig Bilder. Wie ihr wisst, hab ich es aber eher mit Worten. Also schieß ich mal los mit meinen Fragen:


"Am indischen Ozean neue Ideen für die Kulturarbeit am Havelstrand sammeln", das klingt spannend. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen? Braucht ihr einfach nur eine Auszeit vom Landleben/vom havelländischen Winter oder steckt mehr dahinter?

Für unser landmade.Projekt ist es spannend und inspirierend, einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Unser Anliegen ist, das ländliche Leben in Indien, also auf einem anderen Kontinent und in einer anderen Kultur, zu unserem ländlichen Alltag in Brandenburg in Beziehung zu setzen und in Zeichnungen und Fotos künstlerisch zu reflektieren. Was passiert, wenn wir uns mit unserer Arbeit in die scheinbar so weit entfernte Fremde begeben, und was bringen wir mit, wenn wir aus dieser Fremde in unser Brandenburger Dorf zurückkehren?
Die ländliche, von Landwirtschaft und Fischerei geprägte Region Canacona in Südgoa, wo wir uns aufhalten, ist strukturell durchaus als Pendant zum Westhavelland zu sehen. Auch die Geschichte der Region als (portugiesische) Kolonie und der in jüngerer Vergangenheit gewachsene Tourismus in den Küstenbereichen Goas lässt Verweise und Rückschlüsse auf die aktuelle Situation vieler Brandenburger Dörfer zu, die durch Zuzug (=Kolonialisierung) von Städtern und die aus Tourismuskonzepten gespeiste Hoffnung auf neue ökonomische Überlebensmodelle geprägt ist.

Statt von Eichen und Kiefern, seid ihr nun von Kokospalmen umgeben. Wie geht es Euch dort? Wie hat sich der Ortswechsel auf eure Kreativität ausgewirkt?

Unser away-from-home-Kunstprojekt läuft sehr gut: Wir machen einen Bilderblog mit täglichen Posts auf der landmade.Website unter www.landmade.org. In Zeichnungen und Fotos halten wir unsere Beobachtungen fest und setzen sie in Bilder um. Besonders spannend daran ist für uns, dass wir über das Internet während des Aufenthalts in Indien mit unserer brandenburgischen Heimat in Kontakt sein können: von Zuhause aus können die Besucher der Website nicht nur unsere Arbeit in der Ferne verfolgen, sondern sie zum Anlass nehmen, um durch Kommentare und Fragen auch selber "Kontakt" nach Indien aufzunehmen. Das ist übrigens das einzige was uns z.zt. noch etwas fehlt: Wir würden uns freuen, auf unserem Blog mehr Feedback aus dem Havelland zu bekommen.

Was erhofft ihr euch von diesem Trip?

Neue Handlungsfelder und Denkräume für landmade. aufzutun.

Ist es eure erste Reise nach Indien?

Ja. Und hoffentlich nicht die letzte.

Was hat euch bisher besonders beeindruckt?

Die Autonomie der Tiere hier und ihre Präsenz im Alltag.

Was hat euch geärgert oder gar geängstigt?

Nicht geärgert oder geängstigt, aber was uns sehr zum Nachdenken bringt - auch über globale Zusammenhänge und die Situation Zuhause in Europa - ist die permanente Sichtbarkeit des Zivilisationsmülls hier in Indien.

Und gab es schon was zu Lachen?

Ja, wir haben auch jede Menge Spaß hier, was nicht schwer ist angesichts der freundlichen Tiere und gut gelaunten Menschen.

Könnt ihr kurz von euren spannenden Termin am Wochenende berichten? Wa habt ihr gemacht? Mit wem? Warum? Und was kam dabei raus?

Wie du weißt, ist der Gott Ganesha die Leitfigur unserer Reise. Ganesha steht in Indien für jeden Neuanfang und wird angerufen, wenn man Glück für den Weg oder am Anfang einer Unternehmung braucht. Also eine wichtige Figur für uns, einerseits weil wir generell in unserer Arbeit gerne Neuland erkunden, aber auch, weil wir im April in Strodehne mit unserem Kulturversorgungsraum ein großes neues Projekt starten wollen.
Wir haben gestern einen Mann getroffen, der wunderschöne bemalte Ganesha-Figuren aus Tonerde herstellt. Diese holt man sich hier in Goa im September zum Ganesha-Fest ins Haus, wo sie ein paar Tage bleiben, um dann in fröhlichen Prozessionen zum Wasser getragen und versenkt zu werden.

Habt ihr Ganesha schon getroffen?

Nun, unser erster greif- und sichtbarer Ganesha saß bei dem o.g. Mann mitten in dessen Motorradwerkstatt. Wir würden hier gerne einen Ganesha finden den wir mit nach Strodehne nehmen können.

Wie steht es um eure "Scale of Happiness" in Indien?

Du zitierst da eine Zeichnung aus unserem Blog. Wir sind ziemlich happy dass wir dieses Projekt hier machen können. Der Blog ist ein spannender Dialog zwischen uns untereinander und mit unserer Umgebung und produziert lebendige, vielschichtig deutbare Bilder, die auch uns selbst immer wieder überraschen, wundern und erfreuen. Er repräsentiert damit hervorragend, wie wir gerne arbeiten und was uns wichtig ist in unseren Kunstprojekten.


Seit wann genau seit ihr in Indien und wie lange wollt ihr bleiben? Die BUGA beginnt doch bald :-)

Anfang Januar bis Anfang März. Pünktlich zur BUGA sind wir gut gelaunt und gut gebräunt zurück, um in Strodehne unseren Kiosk zu eröffnen.

Auszüge aus dem Interview erschienen in der MAZ vom 5. Februar 2015

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letzte Änderungen: 12.5.2015