Gegenbilder Dass es in der Spätphase der DDR neben den offiziellen Bilderfabriken von Babelsberg (DEFA) und Adlershof (Fernsehen) auch eine lebendige filmische Subkultur gegeben hat, die sich bewusst von der Staatsdoktrin distanzierte, ist noch immer weithin unbekannt. Es waren zunächst Maler, die Ende der 70er Jahre das brachliegende Medium des Super-8-Films für sich entdeckten und das Dogma des klassischen Tafelbildes aufbrachen. Multimediale Aktivitäten von A.R. Penck in Dresden oder von Lutz Dammbeck in Leipzig lösten eine regelrechte Welle von Malerfilmen aus. Später, als sich der Schwerpunkt der subkulturellen Szene von Sachsen aus nach Ost-Berlin verlagerte, änderte sich auch die Filmsprache, wurde erzählerischer. Heute verblüfft vor allem der weitgehend apolitische Gestus der Filme. Konkrete Angriffe auf Umweltprobleme oder die Militarisierung des Alltags wird man z. B. vergeblich suchen. Vielmehr scheint es, als hätte eine regelrechte Verweigerung gegenüber der DDR-Banalität vorgeherrscht. Womit man täglich unfreiwillig konfrontiert war, sollte nicht auch noch Eingang in die Gefilde der Kunst finden. Dennoch fungieren die vorliegenden Filme, vielleicht sogar unfreiwillig, als wertvolle Zeitkapseln von hohem dokumentarischen Wert.
Gezeigt wurden die Filme DOUBLAGE FANTASTIQUE (Yana Milev/Via Lewandowsky, Dresden, 1988, 17 min), ENGELCHEN (Thomas Frydetzki, Leipzig, 1985, 9 min), ESCAPLANTE ODER SOMMER IN ULENHORT (Andreas Dress, Dresden, 1983, 6 min), GUTEN TAG BERLIN (Thomas Werner, Ost-Berlin, 1987, 12 min), HERZHORNHAUTSCHREIN - Werbefassung (Via Lewandowsky, Dresden, 1988, 8 min), KINDER DER NEUSTADT (Stefan Schilling, Dresden 1988, 3 min), METAMORPHOSEN I (Lutz Dammbeck, Leipzig, 1978, 7 min), SCHWARZER PETER (Holger Vollbrecht, Ost-Berlin, 1987, 8 min), UNTER WEISSEN TÜCHERN (Cornelia Schleime, Ost-Berlin, 1983, 9 min).
Sonntag, 16.10.2005, 15.30 Uhr, Blauer Saal
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