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Pressemitteilung vom 10.10.2009

„MorgenLand“

– Die Kunstausstellung der
Film+Medientage Havelland 2009 entwirft
Denkmodelle für die Zukunft.

Unter dem Titel „MorgenLand“ bezieht die Kunst Stellung zum Festival-Thema
„Rezepte zur Rettung des Schlaraffenlands“. Videoarbeiten und Projektionen von fünf
bildenden Künstlern werden in den Räumen von Schloss Ribbeck ausgestellt. Mit
Robert Abts , Ulrike Grossarth, Marikke Heinz-Hoek, Antje Schiffers/Thomas Sprenger
und Dana Widawski.

Wie auch das Schlaraffenland ist das Morgenland ein symbolhafter Ort: Projektionsfläche für
Sehnsüchte, Zuschreibungsort für Visionen. Nur, wo liegt eigentlich dieses Morgenland – im
Osten, im Inneren, auf dem Land oder in der Zukunft?
Innerhalb des Festival-Themas „Rezepte zur Rettung des Schlaraffenlands“ eröffnet die
Ausstellung „MorgenLand“ eine künstlerische Plattform - das schöne Leben kann hier
ausformuliert oder infrage gestellt werden. Erkundet werden Denkmodelle und gesellschaftliche
Prozesse, welche vom Heute aus für das Morgen als Orientierung gelten könnten. Die
ländliche Region, der Blick auf die Zukunft und auch ein imaginierter Ort begegnen sich in
„MorgenLand“.

Als Umschreibung für den Orient – die von Europa aus betrachtet im (Süd)Osten, Richtung
aufgehender Sonne liegenden Länder – stellte das Morgenland schon immer eine Faszination
dar. Vor allem für Künstler im 19. Jahrhundert war der Orient weniger ein realer
geografischer Ort als vielmehr eine Region, in die eigene Hoffnungen und Ängste projiziert
wurden.
Hermann Hesse lässt die Handlung seiner Erzählung „Morgenlandfahrt“ (1930/31) im Innenraum
seelischen Erlebens stattfinden: „Unser Morgenland war ... die Heimat und Jugend der
Seele, es war das Überall und Nirgends, war das Einswerden aller Zeiten. So führt die Reise
durch die Geschichte und die Zukunft, durch Räume und Zeiten. Wir zogen nach Morgenland,
wir zogen aber auch ins Mittelalter oder ins goldne Zeitalter…“

Die Ausstellung „MorgenLand“ knüpft an jene imaginativen Ebenen an, verliert aber
weder die geografische Verortung der Film+Medientage Havelland in der ländlichen Region
Brandenburg, noch das Schloss Ribbeck als Veranstaltungsort aus dem Blick: Historisch
betrachtet ist die Schloss-Architektur ein nach außen abgeschlossenes Gebäude, das der
Verteidigung diente. In diesem politischen und kulturellen Zentrum trafen die Herrscher und
ihre Berater Entscheidungen für die Zukunft des sozialen und gesellschaftlichen Lebens
außerhalb des Schlosses. „Das Schloss ist per se ein Entwurfsort der Welt draußen. Heute
versammeln sich ’Kompetenzteams’ oder ’think tanks’ in vergleichbar abgeschlossenen
Entscheidungszentralen wie z.B. dem Kanzleramt“, so Kurator Roland Eckelt. „ Die Flüchtigkeit
der immateriellen Medien(Video, Projektion) in der Ausstellung präsentierten Kunstwerke
setzt einen bewussten Kontrapunkt zu den steinernen Räumen des Schlosses.“

Die künstlerischen Arbeiten nehmen zum Thema verschiedene Perspektiven ein:

Robert Abts:

„Zeitgleich 5“ (Videoinstallation 2003)
Auf eine Tischplatte wird die Situation eines Essens projiziert, bei dem die Teilnehmer, den
Handlungsvorlagen des Künstlers folgend, spielerisch agieren. Der Tisch wird zum künstlerischen
Handlungsfeld einer sich permanent verändernden Skulptur.

Ulrike Grossarth:

“Handlungsanweisung 12“ (aus dem Seminar „Material und Masse“,
Figurentheaterkolleg Bochum 1985), präsentiert als Overhead-Projektion
Das Kunstprojekt „Material und Masse“ fand in den Krupp-Werken in Essen statt. Eine Gruppe
von Künstlern stapelte einen Raum mit Gegenständen aus einem Bürogebäude bis unter die
Decke zu. Zeitverzögert wurde der Raum nach drei Tagen für die Beteiligten geöffnet, um
deren Handlungsmöglichkeiten in dem verstellten Raum zu ergründen. Ulrike Grossarth:
„Ich bin davon überzeugt, dass nur durch Handeln, also Vorgänge, die mit den Körpersinnen
verbunden sind, evolutionäres Potential und neue Erkenntnisweisen entstehen können, in
dem reales Geschehen lebendig bleibt und nicht zu Ideologien umgedeutet werden kann.“

Marikke Heinz-Hoek:

"Click, die Welt als Wille und Vorstellung" (Videoinstallation 2007)
Die Videoinstallation bringt das Zitat von Schopenhauer mit einem Computerspiel in Zusammenhang.
Dieses Spiel, das seit Jahren besonders gern von jungen Frauen genutzt wird,
gibt Anlass zu Überlegungen, inwieweit Geschlechterklischees auch favorisierte Zukunftsszenarien
sind.

Antje Schiffers/Thomas Sprenger:

„Ich bin gerne Bauer und möchte es auch bleiben“.
Projektzeitraum: 2000-2009 (Videoprojektion)
Die Künstler betreiben mit Bauern und Bäuerinnen in Europa Tauschgeschäfte: ein Gemälde
von ihrem Hof gegen ein Video, in dem die Bewohner ihre Arbeit darstellen. So entstand ein
Archiv von Filmen aus der individuellen Sicht der Tauschpartner über Leben und Arbeit auf
dem Lande.
Die Entscheidung, welcher der Filme aus dem Archiv der Künstler für die Ausstellung
ausgewählt wird, entscheidet sich in einer offenen Jury-Sitzung am Samstag den 31.10.

Dana Widawski:

„Gebet an die Zukunft“ (Videoanimation 2009)
Ausschnitthaft wird eine gemusterte Tapete auf eine Wand projiziert, in deren Ornament
sich eine Person in immer gleichförmigem Rhythmus bewegt. Unendliche Wiederholung als
Ausdruck unbegrenzten Wachstums oder um Leere zu vermeiden?



Öffnungszeiten:

Die Ausstellung ist am 31. Oktober und 1. November während der Festival-Zeiten geöffnet.
Am 30. Oktober haben Besucher der Veranstaltung „Ostkost vom Schlosskoch“ von 18 – 19 h
die Gelegenheit zu einem „Preview“. Am 31. Oktober findet um 13 h die Ausstellungseröffnung
statt, mit anschließender Führung von Kurator Roland Eckelt.




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letzte Änderungen: 27.11.2018